• Proyecto
    Q´epiri

    Durch die Vermittlung andiner Musik eröffnen sich neue Wege für benachteiligte Kinder in Sucre / Bolivien
  • LIFT – Life Care Trust

    In einem Küstenabschnitt nahe der Südspitze Indiens liegt das Dörfchen Kodimunai. Viele Fischer und ihre Familien leben in der Region, die für Fremde überraschenderweise christlich geprägt ist.
  • Kinderhort Kürmi-Fundase

    Schulbildung ist in Bolivien leider keine Selbstverständlichkeit. Sowohl die öffentlichen MitteI als auch die Verwaltung selbst dieser Gelder zeigen große Mängel auf.
  • Amparampi Projekt

    Die Geburtsstunde der Gruppe war im Jahr 2000. Das Projekt war anfangs nicht dazu gedacht Fingerpuppen zu verkaufen, sondern als eine Art Hausfrauentreff, um eine Gruppe zu bilden und verschiedene Handarbeiten zu erlernen.
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Ensamble Moxos

Wir sind das Ensamble Moxos aus San Ignacio de Moxos, einer alten Jesuiten-Mission mitten im bolivianischen Amazonas-Tiefland. Obwohl die Jesuiten bereits 1767 den Ort verlassen mussten, haben unsere Leute ihre Spiritualität, ihre Religion und ihre Musik bewahrt. Diese Musik findet sich heute in den mehr als 10 000 Seiten  handgeschriebener Partituren in unserem Musikarchiv, aber auch in den vielfältigen Darbietungen während des Jahres, in- und außerhalb der Kirchenmauern.

Das Ensamble widmet sich der Aufgabe, das musikalische Erbe aus der Zeit der Missionen zu retten und zu fördern. Wir widmen uns der geistlichen Musik, die überlebt hat in den gebrochenen Stimmen und zitternden Händen der ältesten Menschen unseres Volkes. Heute gestalten alle Generationen die kirchlichen Feiern im Jahreslauf mit.

Die jungen Leute indianischer Herkunft, die Jahre der Unterdrückung, des Vergessens und des Elends geerbt hatten, haben in ihrer Musik eine Tradition gefunden, die uns an den Glanz einer gerechteren Gesellschaft erinnert, in der zwei Welten in Frieden und Wohlstand zusammen lebten. Dies ist eine Geschichte, die mit den Jesuiten begann und sich nach deren Vertreibung 1767 in den Händen der indianischen Bevölkerung selbst fortsetzte. Sie nahmen ihr eigenes Schicksal in die Hand, fuhren fort zu singen und ihre Geigen zu spielen mitten im Urwald – und sie flohen vor den Weißen, ob sie nun Spanier oder Republikaner waren, gemäß den wechselnden Machtverhältnissen in der Geschichte.

Heute bekommt diese Musik eine neue Bedeutung und eine neue Funktion. Heute bestärkt sie das Volk der Moxos in seiner indianischen Identität und  bewahrt die Erinnerung an ihre Vorfahren.

Die Jesuiten gründeten Musikschulen, in denen die Moxos von Kindheit an lernten, die von den Jesuiten aus Europa mitgebrachten Instrumente zu spielen und die lateinischen Gesänge zu singen. Auf dieselbe Weise lernten sie,  Instrumente aus einheimischen Hölzern zu bauen – eine Tradition, die man in San Ignacio bis heute bewahrt. Tatsächlich werden alle unsere Saiteninstrumente in unserem Dorf von indigenen Geigenbauern hergestellt.

Wenn auch der europäische Einfluss die einheimischen Kulturen prägte, so trug die indigene Bevölkerung in diesem kulturellen Austausch ihre eigene Auffassung von Musik bei und integrierte auch ihre einheimischen Instrumente in das Barock-Orchester. So entstand ein neuer Stil, eine Mischung, die heute als “Missionsbarock” bekannt ist.

Die indianischen Gemeinschaften bewahrten die Musik der Missionszeit bis in unsere Tage, weil sie sie als heilig betrachteten. Sie fuhren  fort, die handschriftlichen Notenblätter abzuschreiben, ohne sie lesen zu können – so, wie wenn jemand eine Zeichnung kopiert. Aufgrund des tropischen Klimas und der halbnomadischen Lebensweise der Amazonas-Völker verschlechterte sich natürlich nach und nach der Zustand dieser Notenblätter. Bei Forschungsreisen zu den am weitesten entfernten Gemeinschaften und Siedlungen des bolivianischen Amazonas-Tieflandes haben wir tausende dieser alten Partituren zurückgewonnen, die heute das Missionsarchiv in Moxos zu einem wirklichen Schatz von internationalem Ansehen machen. Viele spielen inzwischen diese Musik, aber wir selbst, wir Moxos-Indígenas, sind ihre direkten Erben.

Unser Repertoire ist ein Edelstein der Verschmelzung aus der von den Jesuiten importierten Musik der Alten Welt und den einheimischen Ausdrucksformen.

Hinter den 19 jungen Musikern und Musikerinnen, die 2015 nach Europa reisten, steht ein noch ehrgeizigeres Projekt: Die “Musikschule San Ignacio de Moxos”. Diese begann vor 15 Jahren mit ihrer Arbeit und hat sich heute in eine Einrichtung verwandelt, die kostenlose musikalische Ausbildung für mehr als 200 Kinder und Jugendliche - alle Angehörige des Moxos-Volkes - in San Ignacio anbietet.

Durch die Musik bestärkten wir die Identität und die Tradition eines indigenen Volkes, das über Jahrhunderte unterdrückt und dessen Träume nie verwirklicht wurden. Das hindert es aber nicht daran, ein Leben in Würde und einen Platz in der Welt für sich zu fordern, ohne dass ihr täglicher Kampf ums Überleben durch die Jagd, durch Fischfang und Ackerbau in Vergessenheit gerät.

Das Ensamble Moxos lebt aber nicht nur von den Partituren seines einzigartigen Musikarchivs. Unsere  Gemeinschaften bewahrten Gesänge und instrumentale Melodien auch in der mündlichen Tradition und veränderten sie durch ihre Erfahrungen, ihre Mittel und ihren Klang. Stücke ohne schriftliche Fixierung, die in der Erinnerung bewahrt wurden, haben wir in unser Repertoire aufgenommen. Diese Musik der Verschmelzung, wird durch das Ensamble Moxos wieder jung, weil sie unsere kreativen und musikalischen  Fähigkeiten herausfordert, um dem Alten ein neues Gesicht zu geben, ohne den Geist und die Absicht zu verlieren, mit der diese Werke entstanden sind.

 

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